Der erste Großölmotor entsteht.

Ausgangsbasis: Die Oechelhaeuser - Junkers Gasmaschine

Während im Maschinenlabor der Technischen Hochschule Aachen die wärmetechnischen Untersuchungen mit großer Intensität vorangetrieben wurden, begann Junkers in Aachen, in der 1902 gegründeten "Versuchsanstalt für Ölmotoren" mit der Entwicklung des ersten Großölmotors.

Junkers wandte sich von seinen umfangreichen Forschungsarbeiten der Gasmaschine mit Oechelhaeuser ab. Er stellte sich die Frage, ob es mit einer Ölmaschine bessere Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Die große Ölmaschine ist im übrigen mit der Gasmaschine wesensverwandt, unterscheidet sich jedoch von der Dampfmaschine durch die Verlegung der Wärmeerzeugung in das Innere des Arbeitszylinders.

Junkers will mit der Entwicklung eines Doppelkolbenprinzips gleichzeitig auch das Dieselverfahren verbinden, dessen Patente im Jahre 1907 auslaufen. Die Fachwelt bezweifelt zwar, daß die Kombination Doppelkolbenprinzip, Dieselverfahren möglich ist. Junkers will deswegen den Nachweis erbringen, daß sich trotz der von der Dieselmaschine abweichenden Art der Einspritzung beim Doppelkolbenbetrieb ein akzeptabler Verbrennungsprozeß erreichen läßt.

Am 27.09.1907 meldet Junkers unter der Nr. DRP 220 124 sein grundlegendes Patent für einen nach dem Dieselverfahren betriebenen Motor mit zwei in einen Zylinder gegenläufigen Arbeitskolben an. Das Patent bedeutet eine wichtige Ergänzung zu dem DRP 66 961 aus seiner Oechelhaeuser Zeit für den Zweitakt-Gegenkolben-Gasmotor und führt der damaligen Maschinen-Industrie nach den späteren Erfolgen mit den Junkers- Schiffsmotoren deutlich dessen Bedeutung vor Augen.
Eine ungemein heftige Bekämpfung durch die AEG und MAN wegen Nichtigkeiten setzt ein. Fachleute aus dem Patentwesen, aus Wissenschaft und Industrie werden als Gutachter herangezogen. Junkers verliert zwar den Prozeß in erster Instanz, gewinnt ihn aber vor dem Reichsgericht. Sein zäher Kampf um das Patent hat die Fachwelt aufhorchen lassen.

Die M12 ist die erste Ölmaschine mit Doppelkolben System. Die Erfahrungen mit der M 11 fließen in die schon 1905 begonnene Konstruktion einer M 12 ein. Die liegende Einzylinder- Versuchsmaschine, die nach dem Zweitaktsystem arbeitet, ist für 100 PS ausgelegt.

1907 erfolgt der Bau der Maschine, im Februar 1908 begeht die Einzylinder- Maschine ihren Jungfernlauf. Doch sie weist noch viele Mängel auf. Im April werden schon weitere Versuche gefahren, die gute Ergebnisse mit verschiedenen Teerölen bringen. Bei 60 bar Kompression läuft die Maschine schließlich zufriedenstellend. Diese Arbeiten wurden 1908 von nur drei Ingenieuren, einem Meister und zwei Arbeitern bewältigt. Den Junkers-Ingenieuren gelingt es in weiteren Versuchen, die M 12 im März 1909 versuchsweise mit Wasserstoff zu betreiben.

Im September wird die Maschine zum Umbau zur Tandem-Maschine an die Firma Klein verschickt. Schon im Dezember können die ersten Prüfläufe stattfinden und 200 PS erreicht werden.

Im Jahre 1910 wird die M 12 zur Ausstellung nach St. Petersburg verladen. Am 19. Mai 1910 springt die Maschine bei einer Vorführung auf der Ausstellung gleich an und läuft einwandfrei.
Im gleichen Jahr wird sie in Aachen wieder in Gang gesetzt und mit verschiedenen Gasölen erprobt.
In diesem Jahr steigt die Zahl der Ingenieure auf sechs, die der Arbeiter und Schlosser auf fünf.

1912 absolvierte die Maschine fünfstündige Dauerläufe mit dickflüssigem rumänischen Pacura-Öl, es treten keine Störungen auf. Die Untersuchung ergibt keinerlei Verunreinigungen an Zylindern, Anlaßkanälen, Zerstäubern, Düsen und Kolbenringen.

Prof. Junkers erläutert der Fachwelt, daß er mit den Ergebnissen zufrieden sei, es handelt sich hierbei um eine Versuchsmaschine. Die Entwicklungsarbeiten werden an Hand dieses Ergebnisses zielstrebig fortgesetzt.

Unser Bild zeigt den Enkel Prof. H.Junkers, Herrn Bernd Junkers (Bildmitte) anläßlich der feierlichen Übergabe des Motors an das Technikmuseum am 24.04.97

Dies war die Basis für die gesamte Motorenentwicklung von Prof. Junkers. Bis zur Beendigung der Forschungsaufgabe stand diese Maschine in Aachen. Danach wurde sie in das neu errichtete Werk München- Allach gebracht.


Diese Wirkungsstätte nutzte Prof. Junkers nach der zwangsweisen Ausweisung aus Dessau bis zu seinem Tode 1935.

Die M 12 stand bis 1997 in der Wirkungsstätte München-Allach. Am 24. April wurde diese Erstentwicklung von Herrn Prof Junkers durch seinen Enkel Herrn Bernd Junkers, aus seinem Erbnachlaß, dem Technik-Museum Dessau übergeben. Der Stadt, in der Prof. H. Junkers 45 Jahre seiner schöpferischen Tätigkeit verbrachte.



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